Wu dr Primus notiärt het
"alli Kiäh sin blaü"
häns alli vun em abgschriibe
un glaübt.

Was ist ein Nazigegner?

Zur Kampagne gegen Oettinger und Filbinger

Von Harald Noth (überarbeitete Fassung 13. 5. 2007)

Am 11. April 2007 sagte der Ministerpräsident von Baden Württemberg, Günther Oettinger, in seiner Rede beim Staatsakt anlässlich der Trauerfeier für Hans Filbinger im Freiburger Münster:

"Hans Filbinger war kein Nationalsozialist. Im Gegenteil: Er war ein Gegner des NS-Regimes. Allerdings konnte er sich den Zwängen des Regimes ebenso wenig entziehen wie Millionen andere." (Die ganze Rede hier.)

Wie Filbinger sich den Zwängen des Regimes fügte, führte Oettinger nicht aus; seine Beschreibung der  Haltung des katholischen Bund Neudeutschland und Filbingers Rolle darin wirkt in der Kürze und Plakativität beschönigend. Eines beschönigt Oettinger keineswegs: Das NS-Regime als solches.      

Die gut gemeinten, aber nicht ausreichend differenzierten und somit verkürzten Aussagen Oettingers brachten die Republik für einige Tage aus dem Gleichgewicht: Der Minimalkonsens der geduldeten öffentlichen Meinung, dass Hans Filbinger ein "Nazi" oder zumindest ein "Quasi-Nazi" gewesen sei, schien durch die Aussage Oettingers gefährdet.  Da endlich, am 18. April 2007, konnte die Presse dieses Landes ihrem Publikum vermelden, es sei jetzt "zweifelsfrei sicher", "endgültig bewiesen": Hans Filbinger war Mitglied in der NSDAP! Man hatte den Antrag auf Mitgliedschaft und die Mitgliedskarte im Berliner Bundesarchiv gefunden und bildete den Antrag nun in verschiedenen Zeitungen genüsslich ab. Dass Günther Oettinger gelogen habe, sei jetzt bewiesen. Die bange Ungewissheit war zu Ende.

Nun, es wäre im Zeitalter des Internets und von Google auch viel verlangt gewesen, hätte man Journalisten, die sich zum Thema äußern und vernichtende Urteile über Oettinger und Filbinger fällen oder unkommentiert transportieren, zugemutet, sich in alten Büchern zu informieren. Hans Filbinger schreibt in seinem Werk "Die geschmähte Generation", das 1987 erschien (mir liegt die 3. Auflage 1994 vor),  er sei vor seinem 2. Staatsexamen als Jurist als "politisch nicht zuverlässig" denunziert worden. Weiter: 

"Damit war der weitere Berufsweg versperrt; man mußte die vorgeschriebenen Pflichtübungen erbringen, um weitermachen zu können. Ich erfüllte diese Bedingungen im Frühjahr 1937, indem ich den Antrag auf Aufnahme in die Partei stellte." (3. Auflage, S. 50, Hervorhebung von mir)

Doch schon Jahre früher, nämlich 1980, brachte Hugo Ott Seite 17ff  im Buche "Hans Filbinger - Der 'Fall' und die Fakten" Stellungnahmen Filbingers zu seiner Mitgliedschaft in der NSDAP, die er 1946 und 1947 vor dem Entnazifizierungsausschuss gemacht hatte. Filbinger hatte Ott diese Unterlagen zur Verfügung gestellt. Der Antrag und die Mitgliedskarte waren zu jenem Zeitpunkt noch im British Dokument Center verwahrt und nicht zugänglich.

Das Buch von Filbinger und das von Ott (mit Beiträgen auch von Hürten und Jäger) sind die Grundquellen der Verteidigung Filbingers, wobei die Professoren Heinz Hürten, Wolfgang Jäger und Hugo Ott als kritisch, aber nicht ungerecht bezeichnet werden dürfen. Jäger ist heute Rektor der Uni Freiburg. 1990 erschien "Das öffentliche Fehlurteil - Der Fall Filbinger als ein Fall der Meinungsmacher" von Franz Neubauer - ebenfalls eine wissenschaftliche Arbeit. Der Autor geht von den belegbaren Fakten aus und zeigt, was die Medien daraus gemacht haben. 

Was ist ein "Gegner des NS-Regimes"?

Nun zur Frage: Was ist ein "Gegner des NS-Regimes"? Oettingers Antwort hätte niemals lauten dürfen: Filbinger. Dass Filbinger Nationalsozialist war, ergibt sich schon aus seiner Parteizugehörigkeit. So wie alle Mitglieder der CDU (auch Angela Merkel) christlich sind und alle Mitglieder der SPD - auch Müntefering - sozial sind, so sind auch Jürgen Trittin und Renate Künast grün, deren Flugkosten von 2003 vom Bundesrechnungshof gerügt werden mussten. Und erst recht sind auch alle Mitglieder und Karteileichen der NSDAP Nationalsozialisten gewesen - ist doch logisch, oder? Doch erst einmal: Was ist ein Gegner im Allgemeinen?

Beispielsweise ein Oettinger-Gegner ist 2007 einer, der öffentlich deklamiert:

"Ich schäme mich, ein Schwabe zu sein. Bisher habe ich Oettinger nur für einen bornierten, spießigen, machtgeilen minderbemittelten Durchschnittspolitiker gehalten. Jetzt entpuppt er sich auch noch als populistischer Geschichtsverfälscher auf Rechtsstimmenfang." ("schwaebischer_demokrat", Süddeutsche Zeitung online, 12. 4. 07). Oder:

"Ich wäre der Letzte, der Filbinger verteidigt als typischer Schwob isser mir genauso wie Oettinger von Herzen zuwider. Mir geht es nur um die historische Wahrheit und um die von Herrn Hochhuth aufgedeckte Sensation, dass ein deutscher Matrose unter britischer Gerichtsbarkeit wegen Fahnenflucht vor den Nazis erschossen wurde." ("wertschoepfer" in SZ online, 12. 4. 07) Oder:

"Es ist nicht hinnehmbar, wenn die unverbesserlichen Geschichtsfälscher immer wieder nachwachsen. Nur ein unmittelbarer Rücktritt von Herrn öttinger kann den Schaden begrenzen, den das Ansehen Deutschlands genommen hat." ("fjeda", SZ 12. 4. 07)

Der "schwaebische demokrat" steht, seiner Einstufung Oettingers als "minderbemittelt" nach zu schließen, nicht unter Schiller und Einstein (beides Schwaben). Diese und viele ähnliche Kommentare stehen unter dem Artikel "Der Lügner" von Rolf Hochhuth in der Süddeutschen Zeitung, in dem dieser "aufdeckt", dass Filbinger sich in britischer Gefangenschaft (!) von den Briten zwölf Gewehre auslieh (!), um den Deserteur Walter Gröger erschießen zu lassen (!). Mehr zu dieser „Enthüllung“ im Artikel

Der Fall Rolf Hochhuths und der Süddeutschen Zeitung – Journalismus am Abgrund

Die Autoren dieser Kommentare geben jedenfalls Bereitschaft zu höchstem Engagement zum Besten, unbedingte Liebe zur Wahrheit und zu einem besser verstandenen Deutschland. Dass diese schwäbischen und sonstigen Demokraten Oettinger-Gegner sind, wird wohl niemand bestreiten. Niemand wird auch bestreiten, dass sie Gegner des NS-Regimes sind. Haben Sie doch nicht wegen ihrer persönlichen Antipathie gegen Oettinger zur Feder gegriffen, sondern, weil dieser Filbinger als Gegner des NS-Regimes bezeichnet hat. Welch ein Glück, dass wir 2007 in den Web-Blogs, Redaktionsstuben und politischen Organisationen unseres Landes so viele solcher aufrechten Menschen haben! 

Was aber ist ein Nazi-Gegner in der Hitlerzeit? Der "schwaebische demokrat“ würde vielleicht antworten: Ein Regime-Gegner ist einer, der zwischen 1933 und 1945 in Deutschland öffentlich beispielsweise schreibt und bekennt: 

"Ich schäme mich, ein Deutscher zu sein. Bisher habe ich Hitler nur für einen bornierten, spießigen, machtgeilen minderbemittelten Durchschnittspolitiker gehalten ..." usw. usf.

Schließt man aus den öffentlichen Reaktionen auf Oettingers Rede, ist hingegen kein Regimegegner, wer, wie Hans Filbinger, dem Freiburger Kreis um den katholischen Publizisten Karl Färber angehörte. Prof. Dr. theol. h.c. Karl Färber, Redakteur der Zeitung der katholischen Zentrumspartei bis zu ihrem Verbot, gibt 1946 im Entnazifizierungsverfahren gegen Filbinger ohne Zwang zu Protokoll:

"Hans Filbinger kam etwa im Jahre 1938 in unseren engeren Freundeskreis, der sich regelmäßig und häufig in unserem Hause traf. Grundsätzliche Gegnerschaft gegen das herrschende Hitlerregime war dabei selbstverständliche Voraussetzung. Alle Freunde waren ausgesprochen gläubige Christen. In dieser selbstverständlichen Gegnerschaft bewegte sich, sprach und beteiligte sich auch Hans Filbinger stets und ohne Ausnahme am Gespräch und am Urteil." (zitiert nach: Hugo Ott, S.30; Aussage von Karl Färber im Entnazifizierungsverfahren gegen Filbinger am 19. 7. 1946).

Karl Färber wurde nach dem 20. Juli 1944 verhaftet. Er hatte, so Hugo Ott (S. 31), schon in den Anfangsjahren des NS-Regimes seine Stellung als Chefredakteur verloren.

Die moderne Antifa, würde sie den Kreis kennen und wollte sie unbedingt bei ihrem Urteil bleiben, müsste etwa sagen: „Wie billig! Gespäch und Urteil in der Wohnstube! Gegen Hitler sein, es aber draußen keinem sagen! Keine Großdemonstration gegen Rechts, keine Flugblätter, keine antifaschistischen Beiträge in Web-Blogs, keine mutigen Enthüllungen in überregionalen Zeitungen und Talk-Shows, nichts!“

Wir sehen hier, dass Günther Oettinger 2007 gar nicht originell war, als er Filbinger als NS-Regimegegner darstellte, sondern Plagiator, wenn denn Färber schon 1946 Filbinger eine "grundsätzliche Gegnerschaft gegen das herrschende Hitlerregime" bescheinigte.

Angesichts des Axioms "Filbinger ist Nazi oder Quasi-Nazi und kein Gegner", das die Anti-Filbinger-Kampagne 1978 aufgestellt hatte und das nun erneut bestätigt wurde und - nach dem Einschreiten der Kanzlerin - fast von der ganzen Gesellschaft anerkannt wird, kann wohl auch der Philosoph Professor Max Müller nichts Positives über Filbinger vermelden, das seinen Gegnern hieb- und stichfest genug wäre. Da nun einmal diese Gesellschaft nicht irrt, muss Müller irren. Dieser Müller gehörte ebenfalls dem Freiburger Kreis an; ihm wurde nach seiner Habilitation im Jahre 1938 die Fortsetzung seiner Lehrtätigkeit an der Uni Freiburg verboten; er war verstrickt in den Aufstand der "Weißen Rose", der u.a. 1943 zur Verhaftung und Verurteilung der Geschwister Scholl führte (Ott, S. 31). Max Müller bezeugt am 19. Juni 1946 nur, dass Hans Filbinger anstatt auf Antifa-Demos auf Fronleichnamsprozessionen ging:

"An den jährlichen Fronleichnamsprozessionen in Freiburg nahm er regelmäßig teil, obwohl die Teilnehmer von NSDStB photographiert und wenn möglich zur Rechenschaft gezogen wurden. (...) Er hat immer eindeutig erklärt, dass unter dem damals herrschenden Regime für ihn der Staatsdienst nicht in Frage käme, sondern er hier einen freien Beruf suchen müsse. Sein Bekanntenkreis setzte sich durchweg aus Nichtnationalsozialisten zusammen, worunter ich nur den bekannten Schriftsteller Reinhold Schneider nennen möchte, dem er sehr nahe stand. Seine Zugehörigkeit zur Studenten-SA habe ich immer als rein formale Notwendigkeit aufgefaßt, ohne die ihm ein weiteres Studium ja nicht möglich gewesen wäre. Von irgendeiner inneren Verbindung damit oder einer Hinneigung kann in gar keiner Hinsicht geredet werden." (Zitiert nach Hugo Ott, S. 30f)

Filbinger an der Front 

Wie nähern uns jetzt dem Feld, wo Filbinger sich nach einer weit verbreiteten Meinung als "furchtbarer Jurist" und "sadistischer Nazi" (Hochhuth, 1978 und 2007) erwiesen hat - der Nord- und der Ostsee. Wieder gibt es Details, die der allgemeinen Aufmerksamkeit entgangen sind, die aber, da man ja meint, die Grundrichtung der Medienkampagne stimme, für entbehrlich gehalten würden, stöße man doch auf sie. So der Brief des Soldaten Filbinger an Reinhold Schneider, aus dem hervorgeht, dass er ein regimekritisches Buch Schneiders im Turnister hat:

"Ich werde eine Zeit brauchen, bis ich mich ganz von Freiburg abgelöst habe. Die Tage waren so schön u. reich gewesen, das danke ich Ihnen u. den Freunden im Kreis. Im meiner Mappe trage ich "Das Vaterunser" mit. Das wird mich jetzt oft begleiten in meiner dienstfreien Zeit. Ich bin so froh darüber, haben Sie hierfür meinen besonderen Dank." (Feldpostbrief Filbingers vom 9. 12. 41 an Reinhold Schneider. Aus dem Nachlass von Reinhold Schneider. Abgebildet bei Filbinger, 3. Auflage, S. 269) 

Reinhold Schneider ist die prominenteste Persönlichkeit aus dem Freiburger Kreis und hatte nach dem Krieg als antifaschistischer Dichter internationales Ansehen. Ihm schreibt Filbinger am 15. 11. 1942, offenbar wieder nach einem Heimaturlaub, erneut von der nördlichen Kriegsfront:

"Ihr neuestes Büchlein 'Der Kreuzweg' wurde mir am letzten Tag nach Freiburg geschickt. Ich hab's mitgenommen; hier wird es mich mit Ihnen verbinden und mit der Tiefe jener Welt, in der wir leben wollen. Unser prächtiger Freiburger Kreis, ich bin jetzt doppelt dankbar, wo sich draußen so viel Dräuendes abzeichnet." (Aus dem Nachlass von Reinhold Schneider. Zitiert bei Hugo Ott, S. 31 nach: Reinold Schneider - Leben und Werk in Dokumenten, Olten - Freiburg 1969, S. 137)

Gegen Reinhold Schneider erfolgte 1943 beim Reichssicherheitshauptamt Anklage wegen Defaitismus und noch im April 1945 Anklage wegen Hochverrat bei der Gestapo (nach: Siegfried Postler, in: "100 Jahre Markgraf-Ludwig-Gymnasium", Baden-Baden 1992, online). Dies würde nach einer Erklärung verlangen, wenn es in der jetzigen Pressediskussion eine Rolle spielen würde. Tut es aber nicht. Es ist zum Hochverratsprozess gegen Reinhold Schneider nicht mehr gekommen.
Wäre das Reich wirklich tausend Jahre gegangen und hätte der Prozess gegen Reinhold Schneider noch stattfinden können, wäre man vielleicht auch auf die Briefe Filbingers an den Hochverräter gestoßen. Die Gestapo hätte dann einmal genau hingeschaut, was dieser Mann, den unsere Zeit "Hitlers Marinerichter" genannt hat, so macht. Zum Beispiel in den Fällen Möbius, Forstmeier und Prößdorf ... Vielleicht hätte Filbinger das Schicksal Schneiders dann teilen müssen.

Während die Freiburger Freunde aus dem Kreis um Färber nach und nach fast alle Verfolgungen ausgesetzt waren, geschah dem jüngsten von ihnen an der Front Dräuendes: Er wurde zur Militärjustiz abkommandiert. Diese setzte sich aus Fachleuten zusammen, die meist schon in der Weimarer Republik im Justizdienst gestanden hatten; dass man auch auf Filbinger zugreifen wollte, ist selbstverständlich. Was aber tat Filbinger?

 Seine Gegner - halt! Was ist denn nun ein "Gegner"? Filbinger-Gegner darf man sein, ohne sich im bewaffneten Widerstand gegen Hitler bewährt zu haben. Ein Regimegegner im Dritten Reich dagegen muss - seit der Umdefinition dieses Begriffes in den Stunden nach Oettingers Rede - im bewaffneten Widerstand gestanden haben oder sonst sein Leben aktenkundig aufs Spiel gesetzt haben. Wobei aber nur jene Akten zu beachten sind, die gerade ins politische Kalkül der Führer der jeweiligen Kampagne passen. 

Viele Filbinger-Gegner werden nun sagen, der Freiburger Jurist ging mit Begeisterung in den Justizdienst. Die meisten werden die Aktenlage nicht kennen oder beachten, die seine zwei Versuche zeigt, dem zu entgehen.

Zwei Gesuche Filbingers, um dem Justizdienst zu entgehen

Zweieinhalb Monate, nachdem Hans Filbinger zum zweiten Mal an Reinhold Schneider geschrieben hatte, meldete er sich freiwillig zur U-Boot-Waffe. Er hatte von der "Tiefe jener Welt, in der wir leben wollen" geschrieben. Mit dieser Tiefe waren selbstverständlich nicht die Tiefen des Meeres oder der nationalsozialistischen Ideologie gemeint, sondern - die des christlichen Glaubens und Geistes. Die reale Welt um ihn, in der wollte er offenbar nicht leben. So ist auch seine Meldung zur U-Boot-Waffe von ihm erklärt worden und zu verstehen als Flucht, um etwas anderem zu entgehen: Dr. Filbinger, der promovierte Jurist, wollte nicht in "die höhere Marinejustizbeamtenlaufbahn" überführt werden. Das belegen die zwei unten abgebildeten Dokumente.

Filbinger schreibt dazu:

"Nach knapp dreijähriger Soldatenzeit wurde ich im Jahre 1943 als Unteroffizier zu einem Oberfähnrichlehrgang nach Glückstadt/Elbe kommandiert. Nach dessen Abschluß stand eine Verwendung als Leutnant bevor. Zu meiner Überraschung wurde mir jedoch eröffnet, dass ich als Soldat entlassen und in die höhere Marinejustizlaufbahn überführt würde.  Um dem zu entgehen, meldete ich mich mit Datum 5. Februar 1943 freiwillig zur Seeoffizierslaufbahn mit dem Ziel, zur U-Boot-Waffe zu kommen. Mein Gesuch, von einer Überführung in die Marinejustizlaufbahn abzusehen, datiert vom 22. Februar 1943. Die vorgesetzte Dienststelle unterstützte diese Meldung. Der Verbindungsoffizier setzte sich persönlich bei der Bildungsinspektion der Marine in Kiel dafür ein. Als das Gesuch erfolglos blieb, unternahm ich einen neuen Anlauf. Der Kompaniechef befürwortete auch das zweite Gesuch."

Zu den Gründen schreibt Hans Filbinger:

"Ich rechnete mit der Möglichkeit, daß ich über Leute zu urteilen haben würde, die meiner Gesinnung nahestanden. Ich dachte an politische Verfahren, wie sie mir dann unter anderem in den Fällen Möbius und Forstmeier begegnet sind. Das war der Konflikt, den ich vorausgesehen hatte. Ich wollte ihn vermeiden. Ich war bereit, ein hohes persönliches Risiko dafür einzugehen." (3. Auflage, S. 58)

Das Risiko, welches der Jurist eingehen wollte,  war der Dienst bei der U-Boot-Waffe.

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Journalisten und Schriftsteller, die Filbinger als "furchtbaren Juristen" zeigen wollen, stellen ihn oft als eingefleischten Nazi vom Jahre 1933 an dar. Dazu bemüht man seine Mitgliedschaft in NS-Organisationen und seinen Aufsatz "Nationalsozialistisches Strafrecht, den er als 21-jähriger Student geschrieben hatte. Um ihre Sicht der Dinge zu stützen, müssen sie die Quellen und Tatsachen unterschlagen, die Filbinger als Regimegegner zeigen. Wenn die Fakten dann so zurecht gezimmert sind, fällt es leichter, Filbingers Entscheidungen in tragischen Situationen niedrige Beweggründe zu unterstellen. 

Wir haben in diesen Tagen gesehen, wie die öffentliche Meinung weitgehend gleichgeschaltet wurde, indem Gegenmeinungen mit der moralischen Keule niedergemacht wurden. Die Macher der Kampagne haben durch 'die Instrumentalisierung der Vergangenheit für gegenwärtige Zwecke' politisches Kapital für sich geschlagen und den Gegner, personifiziert durch Oettinger, geschädigt. An der Kampagne haben sich Leute beteiligt, die selber Leichen im Keller haben und aus Angst, vielleicht sogar aus anerzogenen Antifa-Reflexen bissen. Welche, die im Alter, als Filbinger sich zu den U-Booten meldete, selbst Kreisleitungsmitglied und Sekretärin für Agitation und Propaganda bei der "Freien Deutschen Jugend", dem kommunistischen Jugendverband der SED, waren. Das Klima, das in diesen Tagen herrschte, muss jeden Gegner des Totalitarismus frösteln machen.    

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Zur Methode der Anti-Oettinger-Kampagne

Im Noth Harald si Briäf üs Alemanniä - www.noth.net

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