Link Popularity: Wie Google die Großen größer macht

Mit dem Internet ist, so sollte man meinen, so etwas wie globale Demokratie hereingebrochen, wenigstens auf dem Gebiet der Information. Jeder darf jetzt alles sagen, jeder hat das gleiche Stimmrecht. Zensur gibt es nicht (???), die Meinungsfreiheit ist oberstes Gebot . Wenn von Google die Rede ist, verdreht daher mancher glücklich die Augen, das denglische Wort "googeln" steht für "im Internet suchen" und hat die Nebenbedeutung, "angenehme Stunden im Internet verbringen".

Die Frage ist nur: Kann der Google-Fan auch wirklich alles finden oder wird er getäuscht? Wenn er bei einem Suchwort Hunderte oder Tausende Belege erhält, wird er oft nur die ersten paar Dutzend durchsehen. Auf die ersten Plätzen (hoher "PageRank") stellt Google die Seiten mit der größten "Link Popularity". Google (und auch andere Suchmaschinen) gehen davon aus: Wenn viele "wichtige" Webseiten eine bestimmte andere Seite verlinken (= hohe "Link-Popularity"), muss sie Qualität haben und verdient einen hohen PageRang (und bekommt ihn bei Google auch). Das soll laut Google demokratisch sein.

 Man kann es auch anders sehen: Ein Kaiserstühler alemannisches Sprichwort sagt: Wu ei Hiffli isch, kunnt noch eins drzue. Gemeint ist: Reiche Leute heiraten nur untereinander und vermehren so den ohnehin schon vorhandenen Reichtum. Die Google-Gründer Sergey Brin und Larry Page hatten mit dem Konzept, die Großen nach vorne zu stellen,  das richtige Gespür, auch persönlich groß zu werden. Sie sind heute vielfache Milliardäre und spielen wahrscheinlich im gleichen Club mit Bill Gates Golf.

Google (aber auch andere Suchmaschinen) bevorzugen die Großen und lassen sich auch von nicht so Großen, die sich aber versierte Webmaster leisten können, Zustimmung vorgaukeln. Es gibt zahlreiche Tricks, mit denen die Webmaster die Suchmaschinen täuschen, angefangen von "Linkfarmen" bis zur Erstellung von "Brückenseiten", die der normale Internetbesucher nicht zu sehen bekommt, die alleine zur Täuschung der Suchmaschine eingesetzt werden. So kommt es, dass, wenn Sie mit Google ein nettes, kleines Ferienhäuschen auf der Insel XY suchen, von zahlreichen Großanbietern, die auf dieser Insel gar nichts haben, belästigt werden. Oder haben Sie früher einmal das Stichwort "Großmutter" eingegeben? Zeitweise haben Ebay und Amazon und mit ihnen verbündete Tarnfirmen die ersten Seiten der Suchergebnisse blockiert, es kam vor, dass bei diesem Stichwort Ebay vorgab, Ihre Oma zu besitzen und ihnen verkaufen zu können. Auch Scherzbolden und politischen Strömungen gelingt es, Google zu instrumentalisieren: US-Präsident George Bush zum Beispiel belegte im Januar 2001 den ersten Platz bei der Suche nach «dump motherfucker».

Ich möchte dazu raten, sich aus der alleinigen Abhängigkeit von der größten Suchmaschine zu befreien und neben Google auch MSN und andere zu nutzen.

21. 8. 2005 Harald Noth

P.S. Das Suchfenster auf der Startseite (MSN-Site-Suchfenseter) vom Briäf üs Alemanniä soll dem Leser ein gezieltes Durchsuchen des Briefs mit Stichwörtern ermöglichen. Geben Sie also "Alemannen" oder "Regionalismus" oder sonst einen Begriff ein. Neueste Neuerungen finden Sie aber nicht, denn es wird nur angezeigt, was MSN beim letzten Suchdurchgang (also vor wenigen Wochen oder wenigen Tagen) gefunden hat. 
Das selbe, nur mit schlechterer Ausbeute, können sie auch im Google-Web-Suchfenster erreichen mit dem
Befehl Alemannen site:www.noth.net . So können Sie auch jedes andere Stichwort auf jeder anderen Heimseite suchen, also etwa Müller site:www.alemannisch.de . Das funktioniert auch im MSN-Web-Suchfenster

 

Was isch e Gugelfuhr? E mittelalterligi Gaüglervorstellig uf eme Märktblatz usw.

Ist Google Gott? http://www.netzeitung.de/voiceofgermany/248182.html

Google uf d Finger gluegt (Google-watch), leider numme uf Änglisch:

Do gohts zu dr google-watch!

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Zensur bei Google: Die Suchmaschine stellt fest, aus welchem Land die Anfrage kommt, sodann wird der nationale Zensurfilter angewandt: In Deutschland sind rechtsradikale Seiten betroffen, in den USA sind es erotische Seiten, in China regimekritische.

zruck in dr Text